BEISSKORBPFLICHT FÜR ALLE HUNDE

„Müssen am oberen Ende der Leine ansetzen“

Hunde-Experten halten wenig von Beißkorbpflicht: Breite Sensibilisierung der Bevölkerung und verpflichtender Hundeschul-Besuch würde mehr bringen. (Autor:

KLAGENFURT (vep). Die Diskussion um Beißkorb und den Umgang mit Hunden im öffentlichen Raum reißt nicht ab. Auch im Klagenfurter Stadtsenat wurde bereits diskutiert und es gab Überlegungen, für gewisse Hunderassen eine Beißkorbpflicht zu erlassen. Der zuständige Stadtrat Franz Petritz ergänzt aktuell: „Derzeit erarbeiten wir Richtlinien zu einem Hundeführschein für Halter von Listenhunden, den wir mit Unterstützung des Landes Kärnten umsetzen möchten. Die Rassen sind noch zu definieren.“

Beißkorb kontraproduktiv?

Von einer generellen Beißkorbpflicht raten Experten aus verschiedensten Bereichen ab. Wie etwa Cornalia Lorenz, die Leiterin von „TherapiehundeTeams Kärnten“. „Mit dem Beiß- oder Maulkorb nimmt man Hunden ihre Ausdrucksmöglichkeit. Wie wir Menschen drückt sich der Hund auch sehr stark über seine Mimik aus“, sagt Lorenz. Das wichtigste ist, dass Menschen ihre Hunde einschätzen können „Mit dem Maulkorb ist das dann umso schwieriger“, gibt Lorenz zu bedenken.
Karl Janesch betreibt die ÖRV HSV Hundeschule in Klagenfurt. Auch er hält nichts von einer Beißkorbpflicht, sagt aber: „Lediglich bei großen Menschenansammlungen würde ich einen Maulkorb empfehlen. Abgesehen davon, dass man solche Massen mit seinem Hund ohnehin meiden sollte, weil da auch das Tier leidet.“ Janesch ist froh, dass die Diskussion nun neu entfacht ist. „Ich debattiere seit vielen Jahren mit der Politik, damit sich etwas ändert. Zu 99,9 Prozent liegt es an den Menschen, wenn etwas passiert. Hier muss die Politik ansetzen und Maßnahmen auch tatsächlich vorschreiben.“

Mehr Aufklärungsarbeit

Janesch würde es begrüßen, wenn mehr Öffentlichkeitsarbeit passieren würde, wie etwa in Schulen. „Jeder Mensch sollte wissen, wie man sich gegenüber Hunden verhält, sie deutet und wie man sich in verschiedensten Situationen verhält.“ Cornelia Lorenz ist bereits in den Schulen unterwegs, doch auch sie sagt, das die „Aufklärungsarbeit“ hier noch verstärkt werden müsse. Denn laut Lorenz passieren die meisten Unfälle mit Hunden im Familien- bzw. Privatbereich, aufgrund falschen Situationsverhaltens oder falscher Behandlung der Hunde. „Eigentlich müsste man noch früher ansetzen, nämlich bei der Mutterberatung“, ist Lorenz überzeugt.

Verpflichtende Kurse gefordert

Lorenz ist wie Janesch überzeugt: „In 99 Prozent der Fälle muss man am oberen Ende der Leine ansetzen. Zumindest bei der Erstanschaffung eines Hundes sollte ein Hundeschul-Besuch verpflichtend sein“, sagt Lorenz. Ins selbe Horn stößt auch Hundeschul-Betreiber Janesch. „In den Hundeschulen lernen die Menschen auch, wie man richtig auf das Tier reagiert, wie man Gefahren erkennt etc. Es wäre schon viel geholfen, wenn wenigstens Erst-Besitzer verpflichtend einen Kurs machen müssen.“

Das sagen die Experten für „Problemhunde“

Wenn Hunde Probleme bereiten, landen sie in Klagenfurt meist hier: im Tierschutz-Kompetenzzentrum. Präsidentin und Tierärztin Evelin Pekarek hat eine klare Haltung zur aktuellen Debatte: „Das A und O vor der Anschaffung eines Hundes ist die Beratung. Der Hund muss zur Lebenssituation und zum Menschen passen und darf kein Prestige- oder Kompensationsobjekt für die eigenen Schwächen sein.“
Im TiKo werden Hunde – auch Listenhunde – erfolgreich und nahezu ohne Rückgaben vermittelt. „Weil wir vorher intensiv beraten. Wir haben auch erfolgreich Staffs und Pitbulls in Familien integriert. Ob ein Hund aggressiv wird, entsteht durch Menschenhand, nicht durch eine Liste.“
Die Wahrheit ist, so Pekarek: „Jeder weiß eigentlich, dass sich das Problem am anderen Ende der Leine befindet. Ich bin für einen gestaffelten Hundeführerschein. Also einen verpflichtenden Besuch der Hundeschule. Wie intensiv der Kurs sein soll, entscheiden ohnehin die geschulten Trainer.“
Weiterer wichtiger Punkt für Pekarek: „Die meisten Menschen können einen Hund nicht richtig einschätzen, können Freude nicht von Aggression oder Angst unterscheiden. Hier muss man ansetzen – bei der breiten Bevölkerung. Ich würde vor allem eine verstärkte Arbeit mit Hunden in den Schulen begrüßen.“

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